Neue Hörgeräte

Feststellen, Anpassen, Gewöhnen - neue Hörgeräte

Der Weg vom schlechten Hören bis zum neuen Leben mit dem Hörgerät: Wie wird eine Hörminderung festgestellt? Wer verordnet Hörgeräte? Wie werden sie angepasst und wie gewöhnt man sich an sie? Lesen Sie hier über den gesamten Ablauf vom ersten Bemerken des Hörverlusts bis zum bequemen Tragen des Hörgeräts.

Meistens wird eine Hörminderung zuerst gar nicht von der Person selbst, sondern von deren Mitmenschen bemerkt. Wenn Ihnen öfter gesagt wird, dass Ihre Ohren nicht mehr richtig funktionieren und / oder Sie selbst den Verdacht haben, nicht mehr so gut zu hören, sollten Sie der Sache möglichst zeitnah auf den Grund gehen. Denn: Wer eine Hörminderung frühzeitig behandelt, kann in der Regel schwerwiegendere Folgen verhindern.

Hörverlust ist übrigens ein regelrechtes Volksphänomen: Jeder sechste Schweizer kann nicht optimal hören.

Das Feststellen des Hörverlusts

Hals-Nasen-Ohren-Arzt und Akustiker können den Hörverlust genau messen. Akustiker haben dafür häufig deutlich mehr Zeit, notwendig für die Abrechnung mit der Versicherung sind aber auch die Messergebnisse des HNO-Arztes. Er bestimmt die medizinische Ursache der Hörminderung. Zudem kann er Ihre Ohren vor der Messung professionell säubern und so ausschliessen, dass Ihr Hörverlust z. B. lediglich durch eine stärkere Ansammlung von Cerumen („Ohrenschmalz“) bedingt ist.

Ein ausführlicher Hörtest dauert ca. 20 Minuten. Eine besondere Vorbereitung Ihrerseits ist dafür nicht notwendig.

Zu den wichtigsten Messungen, die HNO-Arzt und Akustiker durchführen, gehören:

  • Tonaudiometrie
  • Sprachaudiometrie
  • Freifeldmessung
  • Sprachbanane
    Sprachbanane

    INFO

    Unterschied zwischen „schwerhörig“, „gehörlos“ und „taub“

    Schwerhörigkeit bezeichnet typischerweise einen Hörverlust von etwa 50 Dezibel. In diesem Fall spricht man von mittlerer Schwerhörigkeit. Daneben gibt es eine leichte Form der Schwerhörigkeit mit einer Hörminderung zwischen 20 und 40 dB sowie eine hochgradige Schwerhörigkeit mit einem Hörverlust von 60 bis 80 dB.

    Resthörigkeit bzw. „an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit“ bezeichnet einen Hörverlust ab etwa 90 Dezibel.

    Gehörlos (eher umgangssprachlich: taub) ist eine Person, deren Hörminderung mehr als 120 dB beträgt.

    Übrigens: Das Ticken einer Armbanduhr ist etwa 20 Dezibel und ein normales Gespräch 55 Dezibel laut. Verkehrslärm liegt in der Regel bei circa 75 dB.

    Die Hörgeräteverordnung

    Die Hörgeräteverordnung ist ein medizinisches Dokument, das vom Hals-Nasen-Ohren-Arzt ausgestellt wird und die Notwendigkeit eines Hörgerätes gegenüber der Versicherung bestätigt. Sie ist bei Erstversorgungen und frühzeitigen Wiederversorgungen mit Hörgeräten (z. B. wegen Verlust) zwingend erforderlich. Als Voraussetzung für die Ausstellung einer Hörgeräteverordnung muss das Hörvermögen der gesetzlichen Indikation unterliegen, nur dann erkennt die Versicherung sie an. Der HNO-Arzt stellt die Hörgeräteverordnung direkt nach seinen Untersuchungen aus.

    Mit der Hörgeräteverordnung gehen Sie dann zum Akustiker Ihres Vertrauens. Dieser empfiehlt Ihnen für Sie geeignete Hörgeräte. Dabei berücksichtig er seine Messungen, seine Anamnese sowie Ihre persönlichen Bedürfnisse, Ihren Geschmack und Ihr Budget.

    Wenn Ihr gewünschtes Hörsystem ein Im-Ohr-Hörgerät ist und eine Otoplastik (ein individuell angefertigtes Ohrpassstück) erforderlich ist, macht der Hörgeräteakustiker einen Abdruck Ihrer Ohrmuschel.

    Nun wird er das gewählte Hörgerät für Sie vorbereiten. Das dauert je nach Art des Hörsystems ca. ein bis zwei Wochen.

    INFO

    Wie lange ist eine Verordnung für Hörgeräte gültig?

    Die Hörgeräteverordnung ist sechs Monate gültig. Die Versicherungen benötigen die Anmeldung der Hörgeräte-Versorgung rechtzeitig. Es ist daher ratsam, nach Erhalt der Hörgeräteverordnung recht zügig einen Hörgeräteakustiker aufzusuchen und mit der Anpassung zu beginnen.

    Wie werden Hörgeräte angepasst?

    Hat der Akustiker das Hörsystem für Sie vorbereitet, kann er es gemeinsam mit Ihnen feineinstellen. Lautstärke und Funktionen werden genau auf Ihre Hörminderung und Hörvorlieben abgestimmt. Der Hörgeräteakustiker erklärt Ihnen ausserdem, wie Sie das Gerät bedienen und informiert Sie über Batteriewechsel, Reinigung und Trocknung. Dafür sollten Sie in der Regel ca. eine Stunde Zeit einplanen. Bei Folgeterminen für die Nachjustierung dauert es dann kürzer.

    Nun können Sie Ihre Hörhilfe zu Hause ausprobieren und in sämtlichen Alltagssituationen auf die Probe stellen. Ihre Erfahrungen besprechen Sie mit Ihrem Hörgeräteakustiker, der die Geräte auf dieser Grundlage dann nachjustiert. Ziel ist es, das Hörsystem so einzustellen, dass es Ihnen einen angenehmen Sitz und die optimale Leistung bietet. Die Ausprobe ist für Sie kostenfrei. Kosten entstehen in der Regel erst, wenn Sie ein Hörgerät kaufen.

    Experten-Tipp

    Testen Sie ca. zwei bis drei Hörgeräte für je nicht mehr als eine Woche lang und beginnen Sie dann die Gewöhnung mit dem Gerät, das Ihnen am meisten zusagt.

    Wie gewöhnt man sich an Hörgeräte?

    blonde_Frau
    blonde_Frau

    Während der Ausprobe sollten Sie die Hörgeräte in allen denkbaren Situationen Ihres gewöhnlichen Alltags testen. Möglicherweise wird Ihnen zunächst einiges ungewohnt vorkommen. Bedenken Sie, dass Sie einige Töne längere Zeit gedämpft oder gar nicht wahrgenommen haben. Ihre eigene Stimme kann für Sie fremd und vielleicht zu laut klingen, weil Sie sich wegen Ihrer Hörminderung angewöhnt haben, lauter zu sprechen. Geben Sie Ihrem Gehör etwas Zeit, sich an das neue Hörgefühl zu gewöhnen.

    Durch die neuen akustischen Impulse wird Ihr Hörvermögen jedoch trainiert und Sie werden schnell merken, wie Sie jeden Tag ein Stück Lebensqualität zurückgewinnen.

    3 Experten-Tipps für die schnellere Gewöhnung an Hörgeräte:

  • Tragen Sie Ihre Hörgeräte täglich. Setzen Sie sie morgens ein und nehmen Sie sie abends heraus.
  • Machen Sie optimalerweise nur bei Beschwerden (z. B. Kopfschmerzen) eine sogenannte Hörpause, indem Sie die Hörgeräte herausnehmen.
  • Legen Sie sich ein kleines Hörtagebuch an, in dem Sie sich Auffälligkeiten notieren. Besprechen Sie diese dann mit Ihrem Akustiker. Dies hilft ihm bei der Feineinstellung Ihres Hörgeräts.
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