Hörsturz

Symptome, Diagnose & Therapie

Bei einem Hörsturz handelt es sich um eine, meist einseitige, Schallempfindungsstörung, die das Innenohr betrifft. Die Zahl der Neuerkrankungen in der Schweiz liegt bei 20 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner im Jahr. Die Ausprägung des Hörsturzes ist unterschiedlich und gibt der Medizin immer noch Rätsel auf, da die Ursache nicht klar erkennbar ist.

Ein Hörsturz kann geringgradig ausgeprägt sein oder zum kompletten Hörverlust führen. Zudem kommt es vor, dass er zusammen mit einem Tinnitus auftritt. Es ist ratsam, bei Verdacht auf einen Hörsturz, umgehend einen Arzt zu konsultieren. Sollte Ihr Hörsturz bereits länger anhalten und zu einem Defizit beim Hören geführt haben, können nur Hörgeräte dies effektiv ausgleichen.

Die Symptome eines Hörsturzes

Bei einem Hörsturz können die Symptome unterschiedlich stark ausfallen. Als Folge kann es sogar zu einem vollständigen Hörverlust kommen. Üblicherweise tritt der Hörsturz auf einem Ohr auf, ohne dass es einen bestimmten Auslöser gegeben haben muss. Ohrendruck und Tinnitus können einen Hörsturz bereits ankündigen oder auch gleichzeitig mit ihm auftreten.

Ohrenschmerzen hingegen sind keine Symptome für einen Hörsturz. Gibt es auf einem Ohr ein Schmerzgefühl, so hat das eine andere Ursache und weist auf ein anderes Krankheitsbild, wie eine Entzündung, hin. Tritt ein watteartiges Geräusch im Ohr auf oder kommt es zu Schwindelattacken, kann das wiederum durchaus ein Hinweis auf einen Hörsturz sein. So werden bei etwa 25% der Menschen mit einem Hörsturz oder Schwindelgefühlen ebenfalls Herz-Kreislauf-Beschwerden diagnostiziert. Es kann ausserdem zu weiteren Erkrankungen kommen, die zu hormonellen Störungen führen können.

Als Symptome für den Hörsturz gelten:

  • Auftreten ohne erkennbare Ursache
  • Keine Ohrenschmerzen
  • Anfallsartiges Vorkommen
  • Nur auf einem Ohr
  • Zu den begleitenden Symptomen zählen:

  • Schwindelgefühle
  • Gefühlsstörung am Aussenohr
  • Ohrendruck
  • Tinnitus
  • Weitere Symptome können ebenfalls vorkommen. So ist zum Beispiel ein Verfremdungseffekt beim Hören von Musik und bei sonst vertraut klingenden Stimmen zu beobachten.

    INFO

    Ist ein Hörsturz das Gleiche wie ein Tinnitus?

    Zahlreiche Parallelen bei Symptomen und Krankheitsbild legen nahe, dass es sich bei einem Hörsturz und Tinnitus, um dasselbe handelt. Das stimmt allerdings nicht. Der Hörsturz selbst wird den Krankheiten zugeordnet, während der Tinnitus vielmehr ein Symptom ist. Ein Tinnitus kann aber häufig in Kombination mit einem Hörsturz vorkommen. Es ist ebenfalls möglich, dass nachdem der Hörsturz behoben wurde, der Tinnitus weiter bestehen bleibt. In diesem Fall wird von einem chronischen Tinnitus gesprochen. Dieser ist jedoch nicht unbedingt ursächlich mit einem Hörsturz verbunden.

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    Hörsturz erkennen: Diagnose Hörsturz

    Die Diagnose für einen Hörsturz wird nach den aktuellen Massstäben der Medizin über ein Ausschlussverfahren ermittelt. Der HNO-Arzt kann mittels Ohrmikroskopie und Hörtest eingrenzen, ob es sich um einen Hörsturz handelt oder eine andere Erkrankung vorliegt. Verschiedene Untersuchungsverfahren (z.B. Blutdruckmessung, Bluttests, Ohrmikroskopie oder Ultraschall- und Kernspin-Untersuchungen) dienen der weiteren Abklärung. Beispielsweise kann der HNO-Arzt mittels einer Ohrspiegelung feststellen, ob andere äusserlich Merkmale wie Verstopfungen und Verletzungen im Gehörgang auszuschliessen sind. Anhand von Hörtests (Stimmgabelprüfung, Tonaudiometrie und Sprachaudiometrie) bestimmt der Arzt den Grad und die Lokalisation (Innen- oder Mittelohr) der Schwerhörigkeit. Die Einteilung eines Hörsturzes in Hochton-, Mittelton-, Tiefton- oder pancochleäre Innenohrschwerhörigkeit kann ein Arzt bei der Diagnose am besten durch ein Tonschwellenaudiogramm bestimmen.

    INFO

    Was ist eine pancochleäre Innenohrschwerhörigkeit?

    Das Wort panchochleär unterteilt sich in die beiden Begriffe Pan (bedeutet: ganz, umfassend, total) und Cochlea (bedeutet: Hörschnecke, Schnecke). Eine pancochleäre Innenohrschwerhörigkeit ist demnach eine Hörminderung, die die gesamte Hörschnecke betrifft, die ein Teil des Innenohrs darstellt.

    Ein wichtiger Baustein der Diagnostik ist die Anamnese, die Krankengeschichte. In dieser kann der Arzt wichtige Hinweise, die auf einen Hörsturz und die eventuelle Ursache hindeuten, erfahren. Gehen aus der Vorgeschichte keine speziellen Hinweise auf den Hörsturz hervor, gibt es andere Methoden zur speziellen Diagnostik bei einem Hörsturz. Dabei wird die Tonaudiometrie nach Fowler, die Hirnstammaudiometrie (BERA) oder die Messung der otoakustischen Emissionen (OAE) angewandt. Diese Untersuchungen dienen dazu, eine Erkrankung des Hörnervs als Entstehungsgrund der Schwerhörigkeit auszuschliessen.

    INFO

    Wie funktioniert der Fowler-Test?
    Beim Fowler-Test werden abwechselnd Töne an beide Ohren gesendet. Der Lautstärkepegel ist unterschiedlich stark und wird mithilfe des Betroffenen (subjektive Hörprüfung) eingeregelt, bis er auf beiden Ohren gleich gut hört. Anhand des Abgleichs mit dem gesunden Ohr, lassen sich die Hörschwelle und die Ausprägung der Hörminderung bestimmen.

    Wie funktioniert eine Hirnstammaudiometrie?
    Bei der Hirnstammaudiometrie (BERA) werden Schwingungen des Schalls gemessen, der vom Hirnstamm zur Hirnrinde gelangt. Sind Schwingungen in der Hirnrinde messbar, wird in der Regel davon ausgegangen, dass die Hörschnecke in Ordnung ist. Dadurch kann eine Hörminderung unabhängig von subjektiven Eindrücken des Betroffenen (objektive Hörprüfung) beurteilt werden.

    Wie funktioniert die otoakustische Emission?
    Bei der otoakustischen Emission (OAE) wird eine winzige Sonde in den Gehörgang eingeführt, die mit Lautsprecher und Mikrofon ausgestattet ist. Dringen die von der Sonde erzeugten Schallwellen in ein gesundes Innenohr, kommt es zu einer messbaren Reaktion. Dieser Hörtest benötigt keine Beteiligung des Betroffenen (objektive Hörprüfung) und wird deshalb auch bei Säuglingen eingesetzt.

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    Therapie eines Hörsturzes

    Bei der Therapie spielt die Zeit eine wichtige Rolle: Je früher die Therapie beginnt, desto besser ist die Prognose. Im besten Fall wird der Hörsturz innerhalb der ersten 24 Stunden bei einem HNO-Arzt oder in einer HNO-Klink behandelt. Dabei müssen die Durchblutung des Innenohrs gefördert und mögliche Auslöser eliminiert werden. Hier sind die gängigsten Therapieformen, die bei einem Hörsturz Anwendung finden:

    Verabreichung durchblutungsfördernder (rheologischer) Medikamente
    Bei einem Hörsturz ist die Durchblutung des Innenohrs gemindert oder gestört. Das Blut versorgt das Innenohr mit den notwendigen Nährstoffen und ist auch für den Abtransport gleicher verantwortlich. Die Haarzellen des Hörorgans werden bei anhaltend gehemmter Durchblutung dauerhaft geschädigt. Durch die Verabreichung durchblutungsfördernder Medikamente kann die Durchblutung wieder verbessert werden. Dabei kann zusätzlich Kortison eingesetzt werden, um Schwellungen zu verhindern (antiödematöse Therapie).

    Therapie mit örtlicher Betäubung zur Blockade von blockierten Nerven
    Die Lokalanästhetika Procain und Lidocain werden häufig bei einem Hörsturz verwendet (inotrope Therapie). Durch ihre Verabreichung werden Nerven blockiert, die zu einer Verengung von Gefässen führen können. In jedem Fall sollte das unter klinischer Beobachtung bei einem Arzt passieren.

    Hörgeräte als Therapie bei anhaltendem Hörsturz
    Besteht der Hörsturz dauerhaft werden die Sinnes- und Haarzellen geschädigt. Die Folge ist eine dauerhafte Hörminderung, die über Hörgeräte ausgeglichen werden kann. Ist der Hörsturz bereits über einen längeren Zeitraum vorhanden oder tritt er in Verbindung mit einem Tinnitus auf, sollte in jedem Fall ein Hörgerät mit einem entsprechenden Noiser verwendet werden.

    Behandlung in einer Sauerstoffdruckkammer
    Es gibt auch die Möglichkeit einer Therapie in einer Sauerstoffüberdruckkammer (hyperbare Sauerstofftherapie). Diese Methode hat sich sehr wirksam erwiesen, gilt aber nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin nicht als eindeutig wirksame Behandlung.

    Therapieform bei besonders schweren Fällen eines Hörsturzes
    Fällt der Hörsturz besonders schwerwiegend aus, wird die Behandlung mittels einer Blutwäsche (Apherese) in Betracht gezogen. Das Verfahren nennt sich konkret Heparin-induzierte extrakorporale LDL-Präzipitation (H.E.L.P.)-Apherese. Dabei wird das Blut von Substanzen gereinigt, die die Blutgerinnung fördern. Die Fliesseigenschaften (und damit die Durchblutung) werden also verbessert. In schweren Fällen muss eine stationäre Therapie begonnen werden, meistens ist jedoch eine ambulante Behandlung durch den Facharzt möglich.

    Behandlung bei Übergewicht und Diabetes
    Langfristig von grosser Bedeutung ist die Behandlung von Risikofaktoren für Arteriosklerose (wie z.B. hohe Cholesterinwerte oder Diabetes). Bei Übergewicht kann eine Reduktion des Gewichts in Kombination mit einer fettarmen Ernährung und Sport Besserung versprechen. Bei Diabetikern sollte eine gute Einstellung des Blutzuckers sichergestellt werden. Nikotin, Kaffee und Alkohol sollten zwingend gemieden werden.

    Alternative Therapieformen
    Weiterhin gibt es alternative Behandlungsformen, deren Wirksamkeit jedoch wissenschaftlich nicht erwiesen und deren Anwendung deshalb in der Schulmedizin kein Thema sind und abgelehnt werden.

    INFO

    So helfen Hörgeräte bei einem Hörsturz:

  • Kehrt das Hörvermögen nach einem Hörsturz nicht vollständig zurück, gleichen Hörgeräte eine Hörminderung effektiv aus.
  • Tritt ein Hörsturz gemeinsam mit einem Tinnitus auf, können Hörgeräte mit sogenanntem Noiser die Symptome des Tinnitus milden.
  • Hörgeräte trainieren das Gehör und helfen dem Gehirn, wichtige Töne nicht zu „verlernen“.
  • Je früher ein Hörgerät benutzt wird, desto eher lässt sich eine hochgradige Schwerhörigkeit vermeiden.
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    Dauer und Verlauf eines Hörsturzes

    Ein sehr wichtiger Faktor bei der Therapie des Hörsturzes ist die Zeit. Die Prognose hängt gravierend von dem zeitlichen Abstand zwischen dem Auftreten der Symptome und dem Beginn der rheologischen Behandlung ab. Eine angemessene Therapie, die bestenfalls innerhalb der ersten Stunde, spätestens jedoch innerhalb der ersten Woche nach Beginn der Symptome begonnen wird, stellt grösstenteils die Hörfähigkeit wieder her. Verschlechtert sich das Hörvermögen weiterhin, oder treten zusätzlich Gleichgewichtsstörungen auf, verschlechtert sich die Prognose jedoch deutlich.

    Knapp zwei Drittel der Patienten erholen sich wieder komplett. Bei den restlichen Patienten bleiben eine Hörminderung oder/und Ohrengeräusche zurück. Diese können verschieden stark ausgeprägt sein.

    Behandlung nach einem Hörsturz

    Kurz nach einem Hörsturz liegt der Fokus auf der Reduktion von Risikofaktoren – vor allem von kardiovaskulären Risikofaktoren wie Übergewicht, hohem Blutdruck, hohen Cholesterinwerten und Diabetes (s.o.). Der Lebensstil sollte stressfreier gestaltet werden, um Überforderungssituationen zu verhindern. Sollte der Hörsturz bereits länger zurückliegen (über ein Jahr), kommt nur noch der Ausgleich mit Hörgeräten in Frage. Sollte dies für Sie zutreffen, ist der nächste wichtige Schritt, mit einem Experten über Ihre persönlichen Möglichkeiten zu sprechen.

    Komplikationen nach einem Hörsturz

    Aus einem Hörsturz können verschiedene Komplikationen entstehen, die die Hörleistung schmälern. Grundsätzlich besteht das Risiko einer Hörminderung oder sogar einer Taubheit als Folge. Diese können je nach individuellen Gegebenheiten kurzfristig, aber auch bleibend ausfallen. Eine mögliche Spätfolge ist, dass nach einem Hörsturz ein Tinnitus (permanentes Ohrgeräusch) entsteht. Dieser kann sich in wechselnden Tönen äussern und von anhaltendem Druck auf dem Ohr begleitet werden. In manchen Fällen folgt nach dem Hörsturz eine innere Unruhe sowie Herzrasen. Das bei der Behandlung Nebenwirkungen auftreten, kommt hingegen äusserst selten vor.

    INFO

    Welche individuellen Gegebenheiten können zu einem Hörsturz führen?

    Die genaue Ursachen, wie ein Hörsturz entsteht, sind nicht bekannt. Es gibt allerdings einige Theorien, die in der HNO-Heilkunde als wahrscheinlich gelten. Fakt ist, dass die Durchblutung des Innenohres bei einem Hörsturz gemindert ist. Auslöser dafür können vor allem durch Stress entstehen. Ein hektisches Umfeld oder hoher Zeitdruck auf Arbeit können zur Durchblutungsstörungen führen, die letztlich einen Hörsturz begünstigen.

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    Ursachen eines Hörsturzes

    Bei den Ursachen eines Hörsturzes sind vermutlich Durchblutungsstörungen der kleinsten Gefässe (Mikrozirkulation) im Innenohr verantwortlich. Das Wissen darüber, warum ein Hörsturz auftritt ist nur begrenzt vorhanden. Es wird aber allgemein von folgenden begünstigende Faktoren ausgegangen:

  • Virusinfektionen oder –reaktivierungen (z.B. Herpes oder Windpocken)
  • Arteriosklerose und daraus folgende Durchblutungsstörungen
  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder hohe Cholesterinspiegel
  • Ruptur des runden oder ovalen Fensters
  • Halswirbelsäulenerkrankungen (z.B. Schleudertrauma)
  • Erhöhte Thrombozytenaggregation (Verklumpen des Blutes)
  • Verschluss (Thrombose) der Innenohrgefäße
  • Autoimmunerkrankungen
  • vorangegangene akute Mittelohrentzündung
  • Es kann davon ausgegangen werden, dass es noch weitere Ursachen für die Entstehung eines Hörsturzes gibt. Welcher Art diese Ursachen sind, wird von Fachärzten und Experten in unterschiedlichen Theorien vielfältig diskutiert..

    Idiopathischer Hörsturz

    Idiopathisch bedeutet „ohne erkennbare Ursache“. Dies ist die häufigste Situation. Er tritt plötzlich auf und eine organische Ursache kann nach gründlicher Untersuchung nicht gefunden werden.

    Hörsturz durch Stress verursacht

    Stress ist ein häufiger Auslöser für einen Hörsturz. Man nimmt an, dass das Stresshormon Adrenalin die kleinen Blutgefässe verkrampfen lässt. Die genaue Pathogenese – also der Entstehungsvorgang des Hörsturzes – ist jedoch nicht bekannt. Sollten Sie einen Hörsturz erlitten haben, ist es unbedingt notwendig, dass Sie lernen Ihren Leben mit weniger Stress und dadurch auch weniger Überforderung zu bestreiten. Zur Beseitigung von Stress kann es hilfreich sein regelmässig Sport zu betreiben.

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